Traumatherapie in der Körperpsychotherapie Ausbildung

Welchen Stellenwert nimmt die Traumatherapie in der Energetischen Körperpsychotherapie ein?

Ein Mensch der in unsere körpertherapeutische Praxis kommt ist fast immer auf die eine oder andere Art und Weise traumatisiert. Ein Trauma kann sowohl durch ein akutes, als (lebens)bedrohlich erlebtes Ereignis ausgelöst werden, als auch in der frühen Kindheit, wenn Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen dem Kind nicht die emotionale Sicherheit und wertschätzende Annahme geben können, die es für eine gesunde seelische Entwicklung braucht. Hier unterscheidet man zwischen Schocktrauma und Entwicklungstrauma. Jedes traumatische Erlebnis hinterlässt eine emotionale Wunde, die den Menschen dazu zwingt, sich schützen zu müssen. Er hat gar keine andere Wahl und es ist der erste naheliegende Bewältigungsmechanismus, der uns Menschen zur Verfügung steht.

Traumatisierte Menschen haben sich von ihren Gefühlen, von ihrem Körperempfinden und von dem Kontakt zu anderen Menschen weitgehend abgeschnitten, was ihnen selbst meist nicht wirklich bewusst ist. Sie fühlen sich einsam und entfremdet und bezichtigen und zermartern sich selbst dafür, dass sie in ihrem Leben und in ihren Beziehungen nicht richtig funktionieren. Sie sind meist hoffnungslos und frustriert und haben das Vertrauen in sich selbst, in andere Menschen und in das Leben verloren. Sie hadern mit Gott und der Welt und stehen jeder Hilfe erst einmal misstrauisch gegenüber. Die Traumatisierung wirkt wie eine Endlosschleife, in der sich unangenehme Gefühle und lebensfeindliche Gedanken immer wieder wiederholen und positive Impulse kaum angenommen werden können. Diese Menschen stehen ihren eigenen Zuständen hilflos und frustriert gegenüber und landen in der Depression und der Einsamkeit, weil meist alle bisherigen Versuche aus ihrem Dilemma auszusteigen, gescheitert sind.

Die Wichtigkeit einer emphatischen Therapeutenbeziehung in der Traumatherapie

Ein traumatisierter Mensch braucht eine Atmosphäre, die ihm eine relative Sicherheit, Geborgenheit, Hoffnung, Zuversicht und neue Möglichkeiten vermittelt. Aufgrund ihrer meist negativen Erfahrungen mit nahestehenden Menschen, übertragen traumatisierte Menschen ihr Misstrauen auch auf den Therapeuten und reagieren sehr schnell mit Abwehr, weshalb sie oft nicht in der Lage sind, Mitgefühl zu empfinden oder anzunehmen. Deshalb ist ein sehr wesentlicher Aspekt für den Heilungsprozess einer Therapie die emphatische Therapeutenbeziehung. Das haben neuere wissenschaftliche Untersuchungen inzwischen nachgewiesen.

Ein empathischer Therapeut ist für den Klienten ein Mensch, der ihn wirklich sehen kann. Jemand der ihn mit all seinen Widersprüchen, seinen dunklen Anteilen und seinen Unzulänglichkeiten sehen, verstehen und aus tiefsten Herzen annehmen kann. Hier ist die Transparenz des Therapeuten sehr wichtig, damit der Klient versteht, dass er mit seinem Erleben nicht alleine ist. Da der Klient sich selbst nicht versteht und sich selbst für das was er ist ablehnt, wird der Therapeut zum Hoffnungsträger dafür, dass es möglich ist, sich selbst verstehen, annehmen und verändern zu können. Die Empathie des Therapeuten fördert also die Fähigkeit zur Selbstannahme und Selbstliebe des Klienten und den Glauben in einen möglichen Veränderungs- und Entwicklungsprozess. Dass der Glaube Berge versetzen kann haben auch die neuesten Hirnforschungen über die Wirkung des Placebo-Efffekts und über die Macht der Gedanken erneut bewiesen. Eine interessante Doku dazu findest Du hier auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=jhfM6MkkA6c

Da bei einer Traumatisierung der Kontakt zu den Gefühlen weitestgehend verloren geht, verkümmern instinkthafte und intuitive Fähigkeiten und die Menschen verlieren mehr und mehr den Kontakt zu ihrem seelischen Potential. Diese Menschen kommen dann in die Körperpsychotherapie, weil sie darunter leiden, dass sie sich selbst als erstarrt und gefühlskalt empfinden und keine lebendigen und intimen Beziehungen führen können.
Sie sind meist sehr kopflastig und versuchen ihre Emotionen aus der Sicht ihres Verstandes zu schildern. Diese Menschen glauben meistens fest daran, dass es zu ihrer Identität gehört, dass sie eben weniger fühlen als andere. Zu berücksichtigen ist, dass weder der Verstand noch die Gefühle verherrlicht werden sollten. Wichtig ist vielmehr für einen regulierenden Ausgleich beider menschlicher Fähigkeiten zu sorgen, um wieder in eine natürliche und gesunde Balance zu finden.

Die Wirkungsweise der Energetischen Körperpsychotherapie als Traumatherapie

Unsere energetische Arbeitsweise ist darauf ausgerichtet dieses Missverhältnis zu korrigieren und die Beziehung zwischen dem Verstand und dem Körper in eine natürliche Balance zurückzuführen. Es gibt ein grundlegendes Prinzip das besagt: Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn wir in der Körpertherapie die Aufmerksamkeit in den Körper lenken, folgt die Energie. Diese wird aus dem Verstand abgezogen und das übermäßige Grübeln und Nachdenken hört auf. Der Klient kommt nach und nach ins Spüren.

Einen guten Körperpsychotherapeuten macht aus, dass er die psycho-emotionalen und physischen Anzeichen des im Körper erstarrten Traumas erkennen und dem Klienten spiegeln kann. Die empathische Spiegelung löst die erstarrten Affekte, die zurück gehaltenen Emotionen können mit therapeutischer Unterstützung zum Ausdruck gebracht werden, blockierte Energien können sich im Körper durch neurogenes Zittern lösen und stehen dem Körper wieder als Vitalenergie zur Verfügung.

„ Wenn wir sorgfältig dosiert, unsere instinktiven Reaktionen einladen, sich vollständig auszudrücken, kann sich der Zugriff des Traumas auf den Betroffenen lockern. Gute innere Gefühle und damit die Widerherstellung der Lebendigkeit sind die Folge.“ – Peter Levine (Traumaforscher und Traumatherapeut)

Beitrag von Sansara Wilberg