Erfahrungsbericht Körperpsychotherapie Ausbildung

Ich arbeite als Sonderpädagogin in einem Projekt für Kinder mit Förderbedarf im Bereich emotional-soziale Entwicklung. Dort werden die Kinder durch mich und zwei weitere Kollegen am Vormittag unterrichtet und am Nachmittag durch die Psychologin und die Erzieher des Projektes außerschulisch betreut. Im Mittelpunkt der Förderung stehen jedoch nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern. Diese sind aufgrund ihrer eigenen Geschichte, der familiären Situation oder der bisherigen schulischen Laufbahn ihres Kindes meist schwer belastet und bedürfen einer kontinuierlichen Elternberatung.

Die Kinder sind aufgrund ihrer Probleme häufig in psychologischer Behandlung in Form von Gesprächstherapien. Meiner Erfahrung nach bringt es bei den Kindern jedoch nicht viel, nur zu reden. Sie wollen sich und ihren Körper spüren. Sie wollen körperlich erfahren! Der Umgang damit wurde mir in meiner sonderpädagogischen Ausbildung jedoch nicht vermittelt. Daher komme ich in meiner Arbeit immer wieder an professionelle und persönliche Grenzen, die mich unzufrieden machen. Diese Grenzen möchte ich mit der Körpertherapie-Ausbildung erweitern und meine körpertherapeutische Sicht- und Herangehensweise schulen und ausbauen. Besonders im Umgang mit dem aggressiven und dissozialen Verhalten der Kinder und der Eltern erhoffe ich mir mehr Sicherheit.

Dabei erlebe ich die Selbsterfahrungen, die ich in der Fortbildung mache, als sehr bereichernd. Eigene kreative und heilende Prozesse werden in Gang gesetzt und bilden eine notwendige Voraussetzung für meine körpertherapeutische Arbeit. Ich bekomme mehr Vertrauen in mich selbst, in meine Wahrnehmung und gewinne an Sicherheit. Im Kontakt mit den Eltern und Kindern erlebe ich mich angstfreier, authentischer und einfühlsamer.

Die Inhalte der Ausbildung werden größtenteils praktisch vermittelt und erfahrbar gemacht. Das Erlernen des körpertherapeutischen Handwerkszeugs wird im jeweiligen Zusammenhang mit Fällen aus der Praxis verknüpft. Persönliche Anliegen können eingebracht werden. Durch diese Art des Lernens kann ich das Erlernte mit Emotionen verknüpfen, besser begreifen und verinnerlichen. In mir entstehen Bilder, auf die ich immer wieder zurückgreifen kann. Aber auch die Strukturen und wissenschaftlichen Hintergründe, die in der Ausbildung gegeben werden, verändern meine körpertherapeutische Sicht- und Herangehensweise in hohem Maße. Ich kann darin meine eigenen Erfahrungen einordnen sowie Verbindungen und Rückschlüsse auf meine Arbeit mit den Kindern und Eltern ziehen.

Als sehr konstruktiv und hilfreich erlebe ich die Feedbackrunden am Ende jeder Übungs- einheit. In denen spiegeln sich die jeweiligen Teilnehmer, wie sie sich in der Therapeuten- oder Klientenrolle wahrgenommen haben. Dabei geht es jedoch nicht um vernichtende Kritik, sondern um eine empathische Rückmeldung des Wahrgenommenen. Somit bleibt nicht das unangenehme Gefühl zurück, etwas falsch gemacht zu haben. Das Sich-Selbst-Kennenlernen und das Reflektieren der eigenen Erfahrungen und Handlungen steht im Vordergrund.

Sehr unterstützend ist diesem Zusammenhang auch die liebevolle Begleitung durch die beiden DozentInnen. Sie sind selbst Suchende, die sich dem Seelischen zugewandt haben und die komplexen Zusammenhänge der Seele zunächst bei sich selbst aufdeckten. Durch die Erkenntnisse und Erfahrungen aus ihrem eigenen körpertherapeutischen Prozess verstehen sie die seelischen Zusammenhänge, können diese bei allen Teilnehmern mitfühlend nachvollziehen und ihnen durch ihr Verständnis weiterhelfen. Sie haben gleichzeitig die Fähigkeit, sich abzugrenzen und zu konfrontieren, und geben den Teilnehmern durch ihre starke Präsenz das Gefühl von Sicherheit.

Den Gruppenprozess erlebe ich von Anfang an als sehr tief gehend und vertraulich. Dadurch sind für mich emotionale Neuerfahrungen möglich. Ich fühle mich als Mensch unter Menschen angenommen und akzeptiert. Dies macht es mir leicht, meine Trauer, meine Wut, meine sexuellen Gefühle und meine Scham in Gegenwart anderer zuzulassen und auszudrücken. Das sich Öffnen, das Sprechen über meine Probleme und die Entlastung durch die Gruppe sind weitere Faktoren, die heilende Prozesse ermöglichen. Auch der Vergleich, die Identifikation mit den seelischen Anteilen der anderen Teilnehmer hilft mir auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Es ist Raum für alles und jeden! Dies gibt mir wiederum Inspiration für meine Arbeit als Sonderpädagogin. Ich arbeite in kleinen Gruppen, in denen jedes Kind Aufmerksamkeit bekommen und gesehen werden möchte. In mir entsteht immer mehr ein Bild davon, wie ich das ermöglichen und gestalten kann.

Anuraga 38, aus Berlin