Erfahrungsbericht Körperpsychotherapie Ausbildung

Mein Körper braucht Bewegung, das habe ich schon immer gewusst.

Wenn ich mich bewege geht es mir physisch wie psychisch gut. Bewege ich mich nicht, sind depressive Verstimmungen vorprogrammiert. Diese Bewegung habe ich nicht in der Körperarbeit gesehen, das wurde mir bisher immer nur von außen zugetragen. Ich wusste auch nie so genau, was Körperarbeit eigentlich bedeutet.
Im Körper sitzt viel fest. Das war erst einmal eine Feststellung. Als ich das erste Mal einen weichen Körper umarmte, machte ich die Erfahrung, dass es weiche Körper gibt. Meiner ist fest. Ich möchte auch einen weichen haben. Gelingt das durch Körperarbeit?

Seit ein paar Jahren besuche ich am Institut verschiedene Gruppen, in denen mir die Körperarbeit immer wieder begegnet. Anfangs skeptisch, machte ich nach mehreren Begegnungen mit dieser Methode die Erfahrung, dass eine gute Körperarbeit Spannungen und Blockaden lösen. Meistens an Tagen, wo ich am liebsten nicht zu den Gruppen gefahren wäre.

Ein Aha – Erlebnis.

Ich bekam die Empfehlung, dass mir intensive Körperarbeit gut tun würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich für eine berufliche Auszeit entschieden. Ich war festgefahren in meinem System und steuerte zielgerichtet auf ein Burnout hin. Dies wollte ich auf keinen Fall erreichen und entschied mich auszusteigen. Somit hatte ich freie Zeit und berufliche Neuorientierung stand an. Aber mit Körperarbeit beruflich tätig sein? Das kann ich mir nicht vorstellen. Warum also anmelden?

Für die Selbsterfahrung? Ja! Schaden kann es jedenfalls nicht und die Seminarinhalte klingen spannend. Und ich entwickelte plötzlich Interesse meinen Körper auf einer anderen Ebene kennen zu lernen. Bisher habe ich mich noch nicht wirklich bewusst mit ihm befasst. An Bewegung wird es in der Ausbildung definitiv nicht mangeln. Es kann mir also nur gut tun. Das Lösen fester Körperspannungen während beruflicher Neusortierung hilft mit Sicherheit. Ich meldete mich an.

Was im Orientierungsseminar sofort ansprang war das Leistungsprogramm. Ich will alles richtig machen und auch gleich alles sofort können. Sieht doch einfach aus in der Vorführung, also einfach nur nachmachen. Und plötzlich Anspruch, Druck und Ängste, am besten ich melde mich gleich wieder ab, das wird sowieso nichts.

Mit der Rolle als Therapeutin hatte ich mich noch gar nicht beschäftigt und war es nun plötzlich. Atmen! Erdung! Wie ging das nochmal?

Im 2. Seminar war der Anspruch so stark, dass er mich fast vollständig lähmte. Ich bekam keinen einzigen Handgriff hin, war bereits nach 5 Minuten völlig erschöpft und wollte nur noch heulen und nach Hause. Eine schlaflose Nacht folgte und weiter ging es im Anspruch. Geholfen hat letztendlich eine intensive Körperübung und das sprechen über den Anspruch mit den dazugehörenden Gefühlen. Alles darf sein.

Alles darf sein ist wichtig! Und in diesem Rahmen möglich. Die Energie der Gruppe trägt das. Fängt einander auf, ist füreinander da und man spürt, dass alles gesagt werden darf was einen beschäftigt. Ist es auch noch so peinlich, beschämend oder beängstigend – raus damit, das bringt weiter! Es wird sich ausgetauscht, niemand soll auf belastenden Gefühlen sitzen bleiben. Ich lerne schnell, dass es hilfreich ist sich zu öffnen. Befreiend und es macht leicht. Und ich lerne die negativen Gefühle kennen, die ich mit mir herum schleppe, wenn ich Angst habe und meine Sorgen der Runde nicht anvertraue. Chance verpasst, schlaflose Nächte. Beim nächsten Mal bin ich mutiger.

Auch Spannungen in der Gruppe dürfen sein. In welcher Gruppe gibt es die nicht? Durch die Körperarbeit kommt man sich sehr nahe, alte Muster brechen auf, verdrängte Gefühle kommen hoch. Übertragungen. Der Mann erinnert mich an irgendwen, macht mich aggressiv und wütend. Es hat nichts mit ihm zu tun, das weiß ich. Hier kann ich es erzählen und dann kann es bearbeitet werden, im geschützten Rahmen. Draußen in der Welt würde ich damit nur jemanden verletzen.

Durch diese intensiven Erfahrungen wachsen wir als Gruppe zusammen. Man spürt wie schwer es ist, etwas von sich zu erzählen. Dann wird man ermutigt, empfängt Verständnis, vielleicht auch die gleichen Probleme und fühlt sich nicht mehr so allein damit. Die Beziehungen werden tiefer mit jedem Wochenende. Wir öffnen uns leichter. Beim Verabschieden warte ich schon auf baldiges Wiedersehen und gemeinsames Erleben.

Die beiden DozentInnen begleiten uns in jedem Moment. Feinfühlig und in der Situation entsprechenden Energie sind sie präsent. Eine wichtige Erfahrung für mich, wie wichtig Präsens in zwischenmenschlicher Beziehung ist. Ist man abwesend, fühlt sich das nicht gut an, nicht gesehen.

3 Seminare sind bereits verbracht. Beruflich sehe ich mich weiterhin nicht darin. Die persönlichen Erfahrungen reichen jedoch schon weit in mein Privatleben hinein. Es kommen
plötzlich viele Erinnerungen aus Kindheitstagen hoch. Das viele Weinen bringt einiges ins fließen und kann weiter bearbeitet werden. Ein Prozess hat sich in Gang gesetzt.
Was sich in den letzten Wochen seit Beginn der Ausbildung verändert hat, ist mein Grundgefühl. Es ist nun positiver und energiereicher, selbstbewusster. Dieses wird mir auch von meinen Freundschaften gespiegelt, ich wirke anders. Fröhlicher und nicht mehr so ernsthaft. Ich merke es in Situationen, die schwierig sind und mich oft in meiner Lebensfreude bremsen. Ich rutsche noch hinein, sie scheinen aber nicht mehr so hoffnungslos aussichtslos und ich komme schneller aus der bedrückten Stimmung heraus. Dies beruhigt mich sehr und fühlt sich unbeschreiblich gut an. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das halten kann.

Schließlich erlerne ich mit der körperlichen Praxis Kenntnisse, die ich zu Hause auch gut und gerne bei mir selber anwenden kann. Körperübungen zur Erdung. Atemübungen und Handgriffe zur Selbstmassage. Für meine persönliche Heilung und Selbstwerdung. Die energetische Körpertherapie ist eine alternative Heilmethode zur Gesundung und für ein erfülltes und zufriedenes Leben super geeignet. Ich kann sie für mich nutzen und erfahre bereits nach 3 intensiven Monaten positive Veränderungen in meinem Leben. Ganz explizit hat sich diese Veränderung bei meinem Vorstellungsgespräch für den neuen Job gezeigt. Ich habe es mit voller Überzeugungskraft und Selbstbewusstsein geführt, welches in dieser Form bei mir noch nicht vorkam. Ich habe alles bekommen was ich mir vorstellte und bin heute immer noch ganz überwältigt davon. Ein Erfolgserlebnis.

In den ersten beiden Seminaren hat mich die Gruppenenergie sehr stark aus meinen Übungen gerissen. Schnell wurde es laut im Raum und ich konnte nur schwer bei mir bleiben. Außerdem setzte es mich weiter unter Druck, dass gleich viel passieren müsste und die anderen waren schon viel weiter und scheinen genau zu wissen, was sie tun müssen. Mittlerweile habe ich einen Weg für mich gefunden. Er steht noch auf wackeligen Beinen. Ich bleibe bei mir und mache das, was sich meiner Meinung nach gut anfühlt. Was im Raum los ist oder ob meinem Gegenüber das ausreicht bekommt nun nicht mehr meine gesamte Aufmerksamkeit. Wenn etwas nicht stimmt, wird er sich schon melden. Das führt ein Stück weit zu Entspannung.

Für die Rückmeldungen sind Feedbackrunden ausgesprochen hilfreich. Am Anfang hatte ich sehr damit zu tun, das Gesagte nicht als Kritik einzustufen. Ich lernte relativ schnell die Rückmeldung als sehr wertvolle Unterstützung zu sehen. Heute bin ich ganz wild darauf nach einer Übungseinheit zu hören was der andere empfunden hat. Wie hast du mich als Therapeutin wahrgenommen? Was hast du gefühlt? Ein wertvoller Schatz für die eigene Selbstwahrnehmung.

Frau 44, aus Berlin